Montag, 22. Oktober 2007

Stierkampf in Las Ventas



Um die Kultur der Spanier zu verstehen muss man wohl auch einmal einem Stierkampf beigewohnt haben - dachte ich mir zumindest in meiner jugendlichen Dummheit. In unserem Fall handelte es sich um eine Novillada. Das heißt die Stiere sind noch etwas jünger, auf jeden Fall unter vier Jahre. Es war also nicht die Champions-League, aber für den Einstieg sollte es auch die 2. Bundesliga tun.

In Touri-Euphorie ging es zum Plaza Monumental de Las Ventas, den Ihr auf dem Foto unten seht. Eigentlich ein ganz schönes Stadion, und das Wetter war auch hervorragend.

Nach einiger Zeit des Wartens in der prallen Sonne begann das Spektakel. Und spektakulär war es wirklich, als die ganzen Akteure erst einmal feierlich in die Arena eingezogen sind. Teilweise auf Pferden, und alle in Glitzer-Fummel wie am Christopher-Street-Day. Ich schaute mir das relativ belustigt an, und machte nebenbei einige Fotos - die Spanier waren am ausflippen. Dazu spielte eine Live-Band einen zünftigen Paso Doble.

Als der große Umzug vorbei war, kam dann der Stier in die Arena. Schwarz wie die Nacht, ein schönes Tier. Er war noch einer der glücklicheren, denn da er so etwas wie die "Vor-Band" war durfte er, nachdem er etwas getriezt wurde weiterleben, und wurde - ganz pathetisch - von einer Horde weißer Stiere aus der Arena geleitet. So weit so gut, und ich dachte mir, dass das eben so ist bei einer Novillada. Ist ja auch blöd einen Jungstier zu schlachten...

Denkste. Das Grauen kam danach. Wieder betrat ein schwarzer Stier - bei weitem sympathischer als der aufgeblasene Torrero - die Arena. Zuerst wurde er von ein paar dieser Clowns immer in eine Ecke gelockt, die sich dann immer schön brav hinter einer Wand versteckten, wenn er angetrabt kam. Wie beim Affentratzen, nur halt ohne Ball, dafür mit Stier.
Anschließend kamen dann die Picadores in die Arena. Reiter mit Lanzen. Diese reizen den Stier so lange bis er auf das Pferd (das durch einen Umhang geschützt ist) losgeht, und rammen ihm dann ihre Lanze in die Nackenmuskulatur. Zwei bis drei mal geht das so. Warum das so sein muss?


  • Damit er erst mal sau-viel Blut verliert. Ab jetzt läuft dem Stier das Blut links und rechts runter - ein traumhafter anblick

  • Um den Stier und seine Nackenmuskulatur schon mal müde zu machen

  • Und natürlich dafür zu sorgen, dass der Kopf für die nächsten Akte schon einmal ein wenig tiefergelegt ist


Da hättet ihr eigentlich auch selber drauf kommen können. Außerdem sorgt der Stier noch dafür, dass sich das Pferd zumindest einige Rippen bricht oder innere Organe quetscht. Damit sich das arme Pferd nicht vor Angst in den Schutzumhang macht sind ihm fairerweise die Augen verklebt.

Um in der Sportlersprache zu bleiben war das das erste Drittel, und dauerte einige ekelhafte Minuten.

Im zweiten Drittel wurden dem armen Vieh dann von verschiedenen Personen bunte, in heiteren Farben gehaltene Lanzen in die schon offene Rückenpartie gerammt. Ein unterhaltsamer Spaß für die ganze Familie.

Zum Schluss kommt dann der Auftritt des großen Torrero. Der Stier hat jetzt merkbar keine Lust mehr. Ist auch leicht verständlich, wenn man immer ins Leere läuft. Einige Minuten demonstriert nun der Torrero was für ein toller Hecht er ist, und dann rammt er sein schwert in den Rücken des Stiers - bestenfalls trifft er gleich das Herz oder die Aorta, was dann zu einem schnellen, artgerechten, nur wenige Minuten dauernden Todeskampf führt, währenddessen dem Stier das blut schön aus dem Maul strömt, und er noch so lange traktiert wird bis er vor Erschöpfung friedlich zusammenbricht.

Schlechtestenfalls - und bei uns war es in vier von sechs Schlachtungen so - Trifft der Torrero halt nen Knochen, und das Schwert fällt wieder heraus. Und genau hier beginnt die Ungerechtigkeit: Anstatt zu sagen "Ok, Du hattest Deine Chance - der Stier war aber cleverer, also darf er weiterleben und auf einer grünen Weide mit ein paar sexy Kühen verbringen" heißt es "Ok, probiers nochmal!" Und wenn der drittklassige Versager dann auch beim vierten und fünften Mal nicht trifft, dann wird die arme Sau von Stier von den Gehilfen derart in eine Ecke getrieben, dass auch der letzte Depp nicht mehr vorbei stechen kann.
Da er aber selbst dann meistens noch ein wenig zappelt und röchelt wird ihm gnädigerweise mit einem Messer noch der Gnadenstoß versetzt. Dann großer Beifall für den mutigen Torrero, und der nächste ist an der Reihe. Verlängerung gibts in der Regel keine.

Besonders zu meiner Belustigung wurde zwar auch der eine oder andere Torrero mal auf die Hörner genommen, aber schlussendlich hatte immer der Stier das Nachsehen. Zu hoffen, dass eines dieser Tiere überlebt ist wohl wie wenn man bei einem Porno darauf wartet, dass am Ende geheiratet wird.

Meine Lieblingsunterhaltung wird es wohl nicht werden, aber jedem das Seine. Da schau ich mir doch lieber ein ordentliches Fußballspiel an. Wobei jetzt hier auch einige sagen werden, dass in der Bundesliga der sportliche Anreiz ja ebensowenig gegeben sei - wenn der FC Bayern spielt stehe ja auch vorher schon fest, wer gewinnt... :)

Einige Fotos (vom unblutigen Teil) gibts hier:

Stierkampf

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