
Der zweite Volkssport neben Futbol ist hier in Madrid der moderne Dreikampf: Sprinten (über die Straße), Weitsprung (auf den Bürgersteig) und Spurwechsel-Marahon. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich kapiert habe, dass die StVO hier etwas anders aussieht als gewohnt.
Das gemeine ist, dass sich die Spanier der gleichen Verkehrszeichen bedienen wie die Deutschen, ihnen aber klammheimlich eine andere Bedeutung gegeben haben - ganz davon zu schweigen, dass auch die einzelnen Verkehrszeichen für unterschiedliche Verkehrtseilnehmer eine andere Bedeutung haben.
Beispiel Ampel:
Eine grüne Ampel bedeutet für Fußgänger: "Schau links, schau recht, und wenn nichts kommt, dann schaust Du nochmal links und rechts, und wenn dann nichts kommt - Hacken in den Teer und rüber über die Straße!"
Eine rote Ampel bedeutet für Fußgänger: "Schau links, schau recht, und wenn nichts kommt, dann schaust Du nochmal links und rechts, und wenn dann nichts kommt - Hacken in den Teer und rüber über die Straße!"
Für Autofahrer hingegen bedeutet eine grüne Ampel: "Rechtes Pedal runterdrücken, und probier ob Du noch dreimal die Spur wechseln kannst bis Du bei mir bist!"
Eine rote Ampel heißt hier - gar nichts. Wenn Fußgänger, oder schlimmer, einer dieser Verkehrspolizisten auf der Straße stehen gibt man entweder - ganz gentleman-like - Hilfestellung zum Weitsprung auf den Bürgersteig, oder zieht notfalls in Erwägung, doch anzuhalten. In diesem seltenen Fall verlieren jedoch dann die Fahrbahnmarkierungen ihre Bedeutung, und man reiht sich auch in einer dreispurigen Straße zu fünft nebeneinander ein.
Den Touristen zu liebe stehen im Stadtkern mittlerweile an jeder großen Kreuzung 4 - 5 Verkehrscops, um den Ampeln ein wenig Nachdruck zu verschaffen.
Blaulicht und Tatütata von hinten bedeutet - ebenfalls nichts. Es ist schön, es ist bunt, aber es bedeutet nichts. Dies ist ausnahmsweise für Fußgänger und Autofahrer gleich.
Ein eleganter Weg, Einbahnstraßen, oder besser gesagt -gassen zu umgehen, man fährt einfach rückwärts hinein. Sieht dann zumindest so aus, als ob man ordentlich fahren würde.
Für Radfahrer gibt es gar keine Verkehrsregeln - Da es hier nirgens Radwege gibt hat sich das Problem mit den lästigen SozPäd-Studenten auf zwei Rädern nach dem Darwin'schen Prinzip relativ schnell erledigt. Das Bild links oben zeigt den kläglichen Versuch, der Radler, die Straßen zurück zu gewinnen, aber da haben wohl nicht einmal nackte Tatsachen geholfen.
Ach, bevor ich es vergesse, Zebrastreifen gibt es hier auch en Masse, und auch sie haben für alle Verkehrsteilnehmer die gleiche Bedeutung - gar keine :)
Freitag, 26. Oktober 2007
Augen auf im Straßenverkehr
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