Sonntag, 21. Oktober 2007

Kultur(schock)




Die Zeit der geballten subjektiven Erlebnisse in einer neuen Stadt neigt sich wohl dem Ende zu, die primäre Touri-Checkliste ist größtenteils abgehakt. Gestern waren wir zum Beispiel noch im Museo Nacional Centro de Reina Sofia. An sich ein beeindruckendes Museum mit Werken der großen spanischen Künstler (Picasso, Miró, Dalí,...). Zum Teil interessante, zum Teil spektakuläre Werke, zu einem Teil jedoch auch Exponate wo einem Banausen wie mir jeglicher Zugang fehlt, und wohl auch immer fehlen wird. Fotos gibts hiervon nur das eine links oben, da im Museum selbst das Fotografieren untersagt war.

Demnach ist ein kleiner strategischer schwenk auf die objektiven Eindrücke dieser neuen Stadt, dieses neuen Landes, dieser neuen Kultur angebracht.
Von Kulturschock zu sprechen wäre übertrieben, dennoch ist schon ein deutlicher Unterschied zu Deutschland vorhanden. Los ging es hier für mich, wie ihr ja gemerkt habt mit der Wohnungssuche. Im nachhinein betrachtet hatte ich sehr großes Glück, ich habe die erste Wohnung bekommen, die ich besichtigt habe (zwar mit Abstrichen, aber ok) und in die zweite Wohnung, die ich gesehen habe ziehe ich am 1.11. ein. Seitdem habe ich mir von mehreren Leuten Geschichten erzählen lassen, die vier Wochen im Hostal wohnten, bis sie etwas gefunden haben, teilweise bis zu 20 Wohnungen pro Tag besichtigt haben, Löcher besichtigt haben, ohne Fenster, in denen man sich menschenwürdiges Leben nicht vorstellen kann.
Sprich - das Wohn-Niveau ist bei den Spaniern dezent niedriger als wir es aus unseren Neu- oder renovierten Altbauwohnungen in Deutschland kennen. Es gibt hier sogar ein Programm der Stadt gegen den Verfall des Wohnraums.
Wenn ich mir meine Bude hier so anschaue kann ich das verstehen. Es handelt sich zwar um ein relativ gut erhaltenes Gebäude, aber Sauberkeit ist etwas anderes. Und so kommt es schon mal vor, dass einen bei der morgendlichen Toilette Gedanken beschleichen wie "wenn ich jetzt beim Verlassen der Dusche versehentlich neben meine Badeschlappen trete war alles für die Katz" oder "sollte meine Zahnbürste aus dem Waschbeutel kippen, schmeiß ich sie weg".
Eine weitere gewöhnungsbedürftige Einrichtung ist hier die Gasheizung. Vor allem: So eine Gasflasche kann leer werden!!! Mit dieser Nachricht schockte mich nämlich mein Vermieter gestern morgen, und meinte, dass wir halt jetzt drei Tage kalt duschen müssen (für ihn kein Problem, weil so oft betrifft ihn das schätzungsweise nicht). Zum Glück war das ganze ein Fehlalarm, er hatte noch eine Reserveflasche gefunden.

So gibt es also doch kleine und größere, sowohl liebenswerte aber auch nervige Unterschiede zum gewohnten Leben zu Hause. Weitere Episoden folgen ganz gewiss...

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