
Da also von einer Autofahrt aus versicherungstechnischen (und damit meine ich die Lebensversicherung) Gründen abzusehen ist komme ich nun zu meinem präferierten Fortbewegungsmittel für den innerstädtischen Verkehr - das Bild verräts, dem öffentlichen Personennahverkehr. Metro und Bus.
Die Madrider Metro ist um einiges billiger, als man das von zu Hause gewohnt ist (10 Fahrten kosten 6,40€ - die Monatskarte knapp über 40,-€), und sie ist - ein wenig anders.
Da man ohne Fahrkarte die Schranken zur Metro nicht passieren kann bleiben einem die Kontrolleure, und damit die bangen Sekunden zwischen "Die Fahrausweise bitte!" und "Keine Panik, heut bin ich ja legal unterwegs" erspart, und man kann die Fahrt entspannt genießen. Bis auf die abrupten Stopps im Tunnel. Ohne ersichtlichen Grund, alle paar Minuten.
Mittlerweile hab ich den Grund herausgefunden: Die Kurven sind so eng, dass nur immer eine Richtung befahren werden darf. Der entgegenkommende Zug muss anhalten - sehr intelligent gelöst.
Das kann jedoch den Fahrplan nicht durcheinander bringen. Es gibt nämlich keinen. Es existiert lediglich eine Übersicht a la "Zwischen acht und zehn kommt der Zug alle drei Minuten, danach alle sechs bis sieben, ..."
Überraschenderweise funktioniert das System, sogar besser als in München, und man kommt relativ flott von A nach B.
Das Onboard-Entertainment-System (OES) besteht aus Straßenmusikanten, die in schöner Regelmäßigkeit Gassenhauer auf Violine oder Quetschn zum Besten geben. Wahlweise auch quengelnde Bettler, was jedoch nicht ganz den Unterhaltungswert der Musikanten erreicht.
Haarig wirds jedoch beim Umsteigen. Gemeinsame Bahnsteige zweier Linien (wie z.B. bei U3/U6 in München) gibt es gar nicht. Auch fährt man nicht einfach eine Rolltreppe nach unten, respektive nach oben um zur anderen Linie zu gelangen. Das wäre zu einfach.
Man geht erst einmal ein paar Treppen nach oben, um dann mit zur Seite geneigtem Kopf einen endlosen Gang entlang zu gehen, der ca. 1,80m hoch ist (viel Spaß Zirni falls Du mal nach Madrid kommen solltest, mit der Durchschnittsgröße der Spanier wirst Du nicht glücklich (die Stange zum Festhalten in der Metro dürfte bei Dir so in Gebisshöhe sein)). <- In der Mathematik ist so was erlaubt :)
Am Ende des Gangs* geht es dann eine Rolltreppen-Staffette nach oben oder unten, in einen neuen Gang, und wenn das Spielchen gerade anfängt langweilig zu werden kommt man dann in Richtung Bahnsteig.
Sprich: Umsteigen ist mehr als lästig, wenn möglich vermeiden.
Teilweise geht das sogar so weit, dass (ja, hab ich gestern schlauerweise selber gemacht) wenn man den falschen Ausgang in einer Station nimmt, man das Tageslicht an einer anderen Haltestelle erblickt, als man eigentlich ausgestiegen ist.
Zu den Madrider Bussen gibt es wenig zu sagen, kosten genau so viel wie die Metro, sind aber dafür von Mercedes.
Auch hier ist die Fahrplangenauigkeit nicht enorm, im Streckennetz wird nur angegeben, dass der 124er auf dem Paseo de la Castellana acht mal hält. Wo dann genau ist meistens Glückssache.
Eine schöne Einrichtung sind hier die vielen Nachtbuslinien, die alle vom Plaza de Cibeles starten. Wenn nicht gerade jemand auf gut bayerisch "Breckerlhusten" hat, ist die Fahrt eigentlich ganz angenehm und spart eine Menge Taxi-Kosten. Aber da ich ab übermorgen im Zentrum wohne hat sich das Thema für mich eh erledigt.
Ach ja, schöne Grüße nach München - eingefrorene Weichen gibts hier meines Wissens nur sehr sehr selten :)
* Laut Duden könnte man hier auch "Am Ende des Ganges..." schreiben, ich wollte jedoch keine Assoziationen zu einem indischen Melodram wecken.
p.p.S.: Was man bei Google nicht so alles findet: "Am Ende des Ganges" ist außerdem eine Verfilmung von Kafkas "Der Prozess" von Michael Muschner... interessant, interessant.
Sonntag, 28. Oktober 2007
Metro und Bus im Madrid - Am Ende des Gangs
Labels: Bus, Fahrplan, Haltestellen, Metro, Nachtbus
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