
Da meine Berichterstattung im einen oder anderen Post wohl doch marginal ins Klischeehafte abgedriftet ist, soll hiermit ein wenig Wiedergutmachung betrieben werden. Denn natürlich gibt es nicht nur stereotype Vorstellungen vom "Spanier an sich", sondern nicht minder übertriebene Vorurteile gegenüber den Deutschen.
Erstmals aufgefallen ist mir das bei obigem Werbeplakat der deutschen Germanwings in der Madrider Metro. "Flüge nach Deutschland ab 19,-€", und darunter "No bromeamos, somos Alemanes" - "Wir scherzen nicht, wir sind Deutsche".
Als Erfinder des Humors, und lockere Zeitgenossen, jederzeit zu einem Späßchen aufgelegt gelten wir hier anscheinend nicht gerade.
Im Spanischkurs erfuhr ich dann in der Lektion "Charakteristika Europäischer Länder", dass wir außerdem noch geizig und misstrauisch sind. (Gut in der Stunde habe ich auch erfahren, dass die Finnen die Norweger für hochgradige Alkoholiker halten, was mich an die Diskussion erinnerte, die ich in einem Hörsaal der TU eine Reihe hinter mir belauschen durfte. Dort versuchte ein Deggendorfer einem Dingolfinger beizubringen, dass dieser ein Waldler sei, da der Wald genau hinter Deggendorf beginnt :) ).
Es gibt natürlich auch positive Eigenschaften, aber die werden wohl niemanden überraschen: Pünktlichkeit, Ordentlichkeit, Fleiß. Dass wir die einzigen in Mittel- und Westeuropa sind, die halbwegs anständig Autofahren können ging dabei ein wenig unter.
Das Interesse an Deutschland ist aber im Allgemeinen größer als geglaubt. Auch ein Lehrstuhlkollege hätte mich damit beinahe vom Hocker gehauen. Er meinte, er liebe die deutsche Kultur. Natürlich dachte ich gleich (Achtung Vorurteil:) "die sind ja hier wie die Amis, kaum hören sie wo Du herkommst ist alles gleich wonderful and I love it...".
Dann begann er jedoch, mir die Bücher seines Lieblingsautors Heinrich Böll (gut, er sagte Inrick Boll, aber das lassen wir mal gelten) in deutscher Sprache aufzuzählen. Von "Haus ohne Hüter" über "Das Brot der frühen Jahre" bis "Billard um halb zehn".
Ich konnte natürlich mit meinen herausragenden Kenntnissen der spanischen Literatur elegant kontern: Cervantes - "Don Quijotte".
Nur als er dann anfing, das Käthe Kollwitz Museum in Berlin als herausragend in Deutschland zu loben wurde ich etwas blass um die Nase.
Man kann den Spaniern einiges vorwerfen, nicht jedoch Desinteresse und Verbortheit. Auch wenn mir in meiner stets auf political correctness ausgelegten und möglichst weit von jeder Art von Rassismus stehenden Schulausbildung immer beigebracht wurde, dass Vorurteile böse sind kann ich nur sagen jeder hat welche, und über jeden gibt es auch welche. Manche sind berechtigt, manche nicht. Solange man sie nicht zu ernst nimmt sind sie zumindest eine gute Gesprächsgrundlage.
Und zu den Vorurteilen den Deutschen gegenüber denke ich, kann ich getrost mit folgendem Zitat aus Marcus H. Rosenmüllers "Schwere Jungs" schließen: "Bavaria - that's near Germany".
Dienstag, 6. November 2007
Vorurteile - mal andersherum
Labels: Deutschland, Germanwings, Spanien, Vorurteile
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